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Die Winterreise

Liedzyklus
Text von Wilhelm Müller Musik von Franz Schubert
und Andrea Cavallari (italienische Erstaufführung)

Darsteller: Thomas Peter, Ingrid El Sigai
Klavier: Marco Ramaglia
Viola: Yumiko Noda
Inszenierung: Rainer Pudenz
Installation "Die Winterreise": Mateo Vilagrasa
Kostüme: Margarete Berghoff
Licht: Frank Keller, Daniel Möller
Fotos: Riccardo Cavallari

Bilder der Inszenierung  
   

 

   

Die Frankfurter Kammeroper in Florenz

Die Kammeroper Frankfurt hat eine aufregende, aufreibende und künstlerisch anspruchsvolle Woche in Florenz hinter sich - und einen großen Erfolg weitab der Mainmetropole errungen. Das renommierten Festival für zeitgenössische Musik "Firenze Suona Contemporanea" hatte die Kammeroper mit einer doppelten "Winterreise" eingeladen: Der Originalkomposition des Schubertzyklus wurde darin eine Neuvertonung von sieben Liedern mit Triobegleitung durch den italienischen Avantgardisten Andrea Cavallari an die Seite gestellt.

Der Statuengeschmückte Innenhof des Nationalmuseums Bargello, eines der ältesten Florentiner Stadtpaläste, gab die Kulisse ab für das Zusammentreffen zwischen teutonisch-frühromantischer Schwermut und kompromisslosem italienischem Neutönertum. Das Bargello beherbergt nicht nur Skulpturen von Michelangelo, Donatello und Cellini und anderen Renaissance-Berühmtheiten; es war auch Tagungsort des legendären Consiglio dei Cento" des "Rates der Hundert", an dessen Sitzungen Dante teilgenommen hat. Die Kammeroper baute ihre Bühne direkt vor Bartolomeo Ammanatis Brunnen der Juno von 1555 auf. Die Statuen schienen ein wenig erstaunt und amüsiert, über das was sich vor ihren steinernen Augen, die schon viele Jahrhunderte gesehen hatten, abspielte.

Zwar hatten die Frankfurter schon vor einigen Jahren Gelegenheit, in der Naxoshalle den musikalischen Wechselbalg aus dem Hause Schubert-Cavallari zu erleben-die italienische Erstaufführung des Werkes stand aber immer noch aus. Würde das Experiment gelingen? Immerhin wurden im Innenhof des Bargello früher gerne öffentliche Hinrichtungen abgehalten. Zwar eher wegen Verschwörungen gegen die Medici als aufgrund von Liederzyklen, aber das Florentiner Publikum gilt in Sachen Kultur als sehr anspruchsvoll. Man weiß, was man der eigenen Historie und dem Namen schuldig ist. Zudem bewegte sich die Kammeroper hier in ungewohnter musikalischer Umgebung, nicht nur fern von Frankfurt, sondern auch fern der vertrauten Opera Buffa inmitten von Anhängern von Berio und Boulez. Die ersten fünf Tage wurde in der Dorfkirche von Donnini dem Wohnort von Andrea Cavallari geprobt, danach zwei Tage bis in den späten Abend im Museo Bargello selbst. Viele technische Probleme mussten in der ungewohnten Umgebung bewältigt werden.

Das Ensemble, der Regisseur und der Komponist wurden zu einer verschworenen musikalischen Gemeinschaft so wie das vielleicht früher bei kleineren Opernproduktionen zu Zeiten Mozarts der Fall war oder bei den Zusammenkünften im Hause Schuberts, den legendären Schubertiaden. Wann hat man schon die Gelegenheit ein Werk zu erarbeiten, während man mit dem gesamten Ensemble im Landhaus des Komponisten wohnt und sich mit ihm direkt austauschen kann? Und wann hat man die Möglichkeit inmitten von Meisterwerken der Renaissance zu proben? Die Intensität und die intime Nähe übertrugen sich auf das Stück. Das Ensemble erkannte bald, dass hier etwas anderes gefragt war, als in der Weite der Industriehalle auf dem Naxosgelände. Die Lieder Schuberts und die Neuschöpfungen Cavallaris gingen ineinander über und ineinander auf. Der Lieder-Zyklus wurde zum Monodrama, das Monodrama zu einer Oper in nuce von bitter-süßer und schroffer Grundierung. Konsequent trieb das Ensemble selbst dem notorischen "Lindenbaum" den Geist der Männerchöre des 19. Jahrhunderts aus. Und es gelang. Als am Ende der brausende Applaus den Innenhof des Bargello erfüllte, fasste Andrea Cavallari den Abend in dem Satz zusammen: "Florenz liebt Euch!"

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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